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Ein Rollenspiel bringt
Jugendlichen
christliche
Werte spielerisch näher:
Schüler in Meggen bewegten sich durch eine
Fantasiewelt mit und ohne Grenzen.
Von Sara Niederberger
Am frühen Morgen geht es im Zentralschulhaus
in Meggen schon heiter zu und her. Fünf
Schüler der ersten Oberstufe sehen sich von
einer Gruppe Vandalen umzingelt. Wichtige
Entscheidungen sind gefragt, verschiedene Vorschläge,
wie die Bedrohung werden soll, werden diskutiert. Einige
lösen schallendes Gelächter aus, andere werden mit
ernster Miene zur Kenntnis genommen. Jemand will
schummeln, wird aber sofort von seinen Mitspielern
zurechtgewiesen.
Gemeinsam entscheiden die Schüler, wie
sie sich in der brenzligen Situation
verhalten. Der Spielleiter beurteilt den Vorschlag
seiner Mitschüler und entscheidet, ob sie den Vandalen
entkommen oder wichtige Lebenspunkte verlieren. Fürs
Erste wäre das geschafft. Das Abenteuer in den
Katakomben von Rom kann weitergehen.
Integrierte Begabtenförderung
Für einmal sind die antiken römischen
Katakomben erfüllt von Stimmen und Gelächter einer
Schulklasse. In Gruppen wandern die Schüler von Raum zu
Raum und haben verschiedene Aufgaben zu bewältigen. Denn
die Kinder spielen das Bibel-Mirakelspiel im Rahmen des
Religionsunterrichts. Die Lehrerin Murielle Egloff hat
sich auf dieses Experiment eingelassen und ist «sehr
zufrieden». Der Unterricht in Kleingruppen ist weit
gehend neu und begeistert die Schüler offensichtlich.
«Das Spiel macht Spass, und man lernt auch etwas dabei»,
meint ein Schüler.
Gespielt wird in Fünfer- oder
Sechsergruppen. Ein Freiwilliger pro Gruppe
übernimmt die Rolle des Spielleiters, welche einigen
Zusatzaufwand mit sich bringt. Im Vorfeld müssen die
Spielleiter den Spielablauf erarbeiten, damit sie im
Unterricht das Spiel führen können. Sie begleiten das
Spiel, müssen aber auch einmal eingreifen, wenn sich die
Gruppe auf Abwegen befindet.
Mit der Rolle des Spielleiters wollte
Dave Büttler auch den Bereich der
Begabtenförderung abdecken. Büttler ist
Religionspädagoge und hat mit dem Germanisten Patrick
Wermelinger das Bibel-Mirakelspiel entworfen. Vom
Unterricht her weiss Büttler, «dass es ab der fünften
Klasse nicht mehr so einfach ist, die Schüler für
Bibelgeschichten zu interessieren». Als
Religionspädagoge ist ihm aber die
Vermittlung christlicher Kultur ein zentrales Anliegen.
Neben Einblicken in die Geschichte des frühen
Christentums sollen den Kindern mit Hilfe von Bildern
und Bibeltexten auch christliche Werte vermittelt
werden.
Fantasiewelt ohne Computer
Mit diesem klaren Ziel vor Augen machte sich
Büttler auf die Suche nach neuen, lustvollen Formen der
Stoffvermittlung. Denn Spielen gehört zwar zu den
liebsten Beschäftigungen jedes Kindes, nur haben sich
mit der Gesellschaft auch die Spielformen entwickelt.
Deshalb haben Büttler und Wermelinger neue
Computerspielformen aufgenommen. Dazu gehören die
Erkundung einer Fantasiewelt und eine Vielzahl
unterschiedlicher Handlungsmöglichkeiten in dieser Welt.
«Diese Spielform», so Büttler, «ist den Kindern recht
vertraut.» Damit soll das Fantasie-Rollenspiel den
Kindern - und Eltern - eine sinnvolle Alternative zu
Computer-Rollenspielen bieten. Neben Schulen und
Jugendverbänden ist die Familie ein wichtiger Adressat.
Eigentlich kann das Spiel nur einmal gespielt
werden. Und genau hier liegt eine Stärke der Konzeption:
Die Kinder sollen dazu animiert werden, das Spiel
weiterzuerfinden. Die Katakomben können durch beliebig
viele Räume ergänzt werden. Das Spiel wird zu einer Welt
der unbegrenzten Möglichkeiten.
Ganz ohne die jüngsten technischen
Errungenschaften will aber auch dieses Spiel
nicht auskommen. Momentan wird eine
Multimediaversion erarbeitet. In ihr werden der
Spielplan und die Bilder über einen Beamer gezeigt und
von Animationen und Musik unterstützt. So kann das Spiel
auch in einer grösseren Gruppe gespielt werden.
Grenzen der Fantasie
Schauplatz des Spiels sind die Katakomben
von Rom zur Zeit des Untergangs des Römischen Reiches.
Neben der Stoffvermittlung sollen auch die sozialen
Fähigkeiten der Kinder gefördert werden. Es wird
diskutiert, ausgehandelt, zugehört und gemeinsam
entschieden und getragen - denn auch die vom Spielleiter
verhängten Konsequenzen treffen alle.
Die Spielrunde in der Schule zeigt,
wie diese Lernform der Fantasie der
Kinder freien Lauf lässt, aber auch, wo sie an ihre
Grenzen stösst. So wollen die Knaben die Vandalen
schlagen oder bestechen. Mädchen dagegen singen
lieber ein Lied, damit die Vandalen einschlafen,
oder tragen ein Gedicht vor. Geschlechtsspezifische
Stereotype machen eben auch vor der Fantasie nicht Halt.
Bibel-Mirakelspiel: Rex Verlag, Luzern, Fr. 19.80, Informationen auf www.mirakelspiel.com.
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